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Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege

Warum ist Sturzprophylaxe wichtig?

Wenn ältere oder kranke Menschen stürzen, können sie schwerwiegende Verletzungen erleiden. Der Verlust des Vertrauens in die eigene Mobilität, die Einschränkung ihres Bewegungsradius oder die Angst vor weiteren Stürzen führen häufig zu einer schwerwiegenden Einschränkung ihrer Lebensqualität. Ein Mensch, der sein Leben bisher selbständig bestritten hat, kann dies nach einem Sturz eventuell nicht mehr.
Der „Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege“ soll zum Erhalt der Lebensqualität von Menschen mit Pflegebedarf beitragen. Er unterstützt Pflegende, indem er ihnen evidenzbasierte Empfehlungen und Leitlinien an die Hand gibt. Dabei richtet er sich vorwiegend an Pflegefachpersonen, welche den Pflegeprozess planen, steuern, koordinieren und evaluieren. Der Expertenstandard beschreibt, was ein Sturz ist und worin er sich von einem ‚Beinahe-Sturz‘ unterscheidet. Er erläutert, welche Risikofaktoren zu Stürzen führen und das Vorgehen bei der Einschätzung des Sturzrisikos, der Planung von zielgerichteten Maßnahmen, ihrer Evaluation sowie der Beurteilung von Stürzen. Ziel des Standards ist es, dass jeder Mensch mit Pflegebedarf und einem erhöhten Sturzrisiko eine Sturzprophylaxe erhält. Dabei sollen Stürze möglichst verhindert, Sturzfolgen minimiert und eine sichere Mobilität gefördert werden.

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Das Sturzrisiko einschätzen

Um Stürzen vorzubeugen, ist eine umfassende Risikoeinschätzung erforderlich. Das Sturzrisiko von Menschen mit Pflegebedarf sollte in regelmäßigen Abständen beurteilt werden und zusätzlich immer dann, wenn der Mensch mit Pflegebedarf …

  • in ein neues Pflegesetting kommt,
  • Veränderungen im Gesundheits- oder Pflegezustand erlebt oder
  • stürzt.

Bei einer Risikoeinschätzung werden personen-, medikations- und umweltbezogene Risikofaktoren des Menschen mit Pflegebedarf betrachtet. Diese führen jedoch nicht zwingend bei jedem Menschen zu einem tatsächlichen Sturzrisiko. Deshalb wird bei einer Beurteilung des Sturzrisikos auch auf Situationen geachtet, in denen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig auftreten und das Sturzrisiko erhöhen oder vorhandene Ressourcen das Sturzrisiko verringern. Im Expertenstandard wird zudem auf Aspekte der Sturzrisikofaktoren hingewiesen, die gegebenenfalls unter Hinzuziehen von Angehörigen anderer Berufsgruppen fachlich abgeklärt werden müssen.
Expert*innen empfehlen die ‚zweistufige systematische Risikoeinschätzung‘ als ein wirksames Vorgehen bei der Bewertung des Sturzrisikos. Dabei erfolgt zu Beginn des Pflegeprozesses ein ‚Screening‘, und im Anschluss gegebenenfalls eine ‚vertiefte Einschätzung‘.

Schritt 1: Screening
In diesem Schritt wird anhand von Beobachtungen, Fragen und schriftlichen Informationen geprüft, ob bei einem Menschen mit Pflegebedarf einer oder mehrere der 4 Risikofaktoren mit Signalcharakter vorliegen. Die 4 Risikofaktoren sind:

  • Sturz- und Frakturvorgeschichte
  • Sturzangst
  • Beeinträchtigung der Mobilität
  • Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten

Der Expertenstandard empfiehlt immer dann eine vertiefte Risikoeinschätzung durchzuführen, wenn das Screening folgende Ergebnisse ergibt:

  • 1 zutreffender Risikofaktor bei Menschen über 65 Jahren
  • 2 zutreffende Risikofaktoren bei Menschen unter 65 Jahren

Schritt 2: vertiefte Einschätzung
Eine vertiefte Risikoeinschätzung kann im Rahmen einer Pflegeanamnese stattfinden.

Folgende Fragen können gestellt werden:

  • Welche Risikofaktoren bestehen bei der Person mit Pflegebedarf?
  • Welche Ressourcen stehen zur Verfügung, um das Sturzrisiko zu mindern?
  • Gibt es Situationen, in denen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig auftreten?

Um die richtigen Fragen stellen zu können, müssen Pflegefachpersonen die häufigsten Sturzrisikofaktoren kennen.

Neben den Risikofaktoren, die auch im Screening bereits eine Rolle spielen, gehören zu den personenbezogenen Sturzrisikofaktoren zusätzlich auch …

  • Depressionen,
  • Probleme bei der Urinausscheidung,
  • Schmerzen,
  • Diabetes mellitus,
  • Mangelernährung,
  • Sehbeeinträchtigungen oder
  • eine orthostatische Hypotonie.

Ein medikationsbezogener Risikofaktor besteht häufig dann, wenn ein Mensch täglich mehr als 4 Medikamente einnimmt. Dieser Faktor wird auch als „Polypharmazie“ bezeichnet.

Umweltbezogene Risikofaktoren können vielfältig sein. Freiheitsentziehende Maßnahmen, wie Bettseitenteile, oder Stolperfallen durch Teppiche oder Türschwellen, ungenügende Beleuchtung sowie inadäquates Schuhwerk können zu einem Sturzrisiko beitragen. Häufige, umweltbezogene Risikofaktoren sind Hilfsmittel, die nicht individuell eingestellt sind, wie z. B. ein Rollator.

Wenn mehrere Sturzrisikofaktoren in einer Situation auftreten und der Mensch mit Pflegebedarf nur unzureichende Ressourcen zur Bewältigung der Gefahrensituation hat, ist ein Sturz sehr wahrscheinlich. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie wachen nachts auf und müssen eilig ins Badezimmer. Sie sind auf Ihre Brille angewiesen, können sie aber so schnell nicht finden. Das Licht im Korridor ist defekt und Ihre Katze schläft gern irgendwo auf dem Teppich vor dem Bad. Ihre Gefahr zu stürzen ist in dieser Situation größer als bei funktionierender Beleuchtung und mit Brille.

Nachdem die Einschätzung des Sturzrisikos abgeschlossen ist, erfolgt die Planung sturzprophylaktischer Maßnahmen.

Sturzprophylaktische Maßnahmen planen

Eine individuelle Maßnahmenplanung sollte gemeinsam mit dem Menschen mit Pflegebedarf erfolgen. Alle Maßnahmen und Interventionen in einem Maßnahmenplan sollten …

  • dem individuellen Sturzrisiko sowie den Zielen, Bedürfnissen und Ressourcen der Person mit Sturzrisiko entsprechen.
  • eine sichere Mobilität fördern.
  • das Risiko für Stürze und Sturzfolgen verringern.
  • von dem Menschen mit Sturzrisiko akzeptiert und angenommen werden können.

Ein individueller Maßnahmenplan kann auch Maßnahmen enthalten, die von Angehörigen anderer Berufsgruppen, wie z. B. Physiotherapeut*innen, Orthopädietechniker*innen oder Ärzt*innen erbracht werden. Pflegefachpersonen benötigen daher, neben ihrem Fachwissen, Kompetenzen in multiprofessioneller Zusammenarbeit, effektiver Kommunikation und Koordination der Maßnahmen. Damit eine kontinuierliche und wirksame Sturzprophylaxe funktionieren kann, müssen …

  • alle Beteiligten umfänglich und umgänglich über Änderungen in der Sturzrisikoeinschätzung informiert werden und
  • Änderungen in der Maßnahmenplanung mit dem Menschen mit Pflegebedarf und allen Beteiligten abgesprochen werden.

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Sturzprophylaktischen Maßnahmen durchführen

Der Expertenstandard Sturzprophylaxe betont die Bedeutung der Aufrechterhaltung und Förderung der Mobilität durch regelmäßige körperliche Aktivität und Übungsprogramme. Körperliches und motorisches Training sollte dabei die Komponenten Kraft, Ausdauer, Balance und Koordination beinhalten. Bewegungsabfolgen, wie das Wiederaufstehen vom Boden, können dazu beitragen, das Vertrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten zu stärken und eine eventuelle Sturzangst zu verringern.
Die Expert*innen des Expertenstandards weisen auf die Bedeutung des aktiven Mitübens der Person mit Sturzgefahr hin. Übungen sollten darum an die individuelle Situation der betroffenen Person und das jeweilige Setting angepasst sein.

Für eine wirksame Durchführung aller geplanten Maßnahmen benötigen Pflegefachpersonen eine respektierende und empathische Grundhaltung gegenüber dem Menschen mit Sturzrisiko sowie Kompetenzen in Selbstreflexion und wertfreier Akzeptanz.
Pflegefachpersonen sollten zudem …

  • Wissen klar vermitteln,
  • Bewegungsfolgen oder den Umgang mit Hilfsmitteln anleiten und
  • über sturzprophylaktische Maßnahmen, Verhaltensweisen oder Hilfsmittel beraten können.

Wenn Menschen mit einem Sturzrisiko sich einbezogen, motiviert und gestärkt fühlen, Fragen stellen und sich einbringen können, sind sie eher in der Lage und bereit dazu, an der Durchführung sturzprophylaktischer Maßnahmen mitzuwirken.

Dokumentieren und Evaluieren

Wie bei allen Pflegeprozessen ist eine klare und umfassende Dokumentation der aktuellen und individuellen Sturzrisikoeinschätzung und Maßnahmenplanung von wesentlicher Bedeutung. Sie ist Voraussetzung für eine kontinuierliche, transparente und professionelle Pflege und die Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen.

Am Ende eines Pflegeprozesses bewerten Pflegefachpersonen die Wirksamkeit des pflegerischen Handelns und der geplanten und durchgeführten Maßnahmen. Eine solche Evaluation sollte in regelmäßigen und geplanten Abständen erfolgen. Zusätzlich sollte die Effektivität eines Maßnahmenplans immer dann überprüft werden, wenn sich der Gesundheitszustand und Pflegebedarf des Menschen mit Sturzrisiko ändern oder nach einem Sturzereignis.

Qualität sichern und verbessern

Sturzprophylaxe liegt in der Verantwortung von Pflegefachpersonen und der Einrichtung, in der sie stattfindet. Der Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege empfiehlt, dass alle Einrichtungen, in denen Menschen mit Pflegebedarf und einem Sturzrisiko betreut werden, über entsprechende Verfahrensanweisungen für die Sturzprophylaxe verfügen. Diese sollten auf die Menschen mit Pflegebedarf sowie die strukturellen Gegebenheiten zugeschnitten sein. Sie sollten sturzprophylaktische Maßnahmen enthalten, die alle Angestellten der Einrichtung befolgen müssen. Pflegefachpersonen müssen die Verfahrensanweisungen ihrer Einrichtung kennen und bei der individuellen Maßnahmenplanung berücksichtigen.

Wenn ein Sturz passiert, ist es wichtig, die ursächlichen Umstände zu betrachten. Zu diesem Zweck tragen Pflegende nach einem Sturz alle relevanten Informationen in einem Sturzprotokoll zusammen. Das Sturzprotokoll bildet die Grundlage für die nun folgende Evaluation des Maßnahmenplans der betroffenen Person. Pflegeteams beraten über eventuell notwendige Anpassungen des Maßnahmenplans häufig in einer Fallbesprechung.

Um eine qualitativ hochwertige Pflege leisten zu können, sind Einrichtungen auf die Auswertung von Daten zu Sturzereignissen angewiesen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Ergebnisse an die Pflegebereiche kommuniziert werden, sodass dort Rückschlüsse für eventuell notwendige Veränderungen gezogen werden können.

E-Learning-Kurs zur Vertiefung des Themas

Für Pflegefachpersonen, die mehr zu diesem Thema erfahren möchten, bietet Pflegeclever spezielle E-Learning-Kurse an. Diese vermitteln anwendbares Praxiswissen und auf der Basis des Expertenstandards „Sturzprophylaxe in der Pflege“. Interaktionen, Fallbeispiele und Überprüfungsfragen unterstützen ihre Lernerfahrung in diesen Kursen. Ein Zertifikat bestätigt, dass sie den Kurs absolviert haben.

Expertenstandard Sturzprophylaxe

In diesem Kurs wird der Expertenstandard Sturzprophylaxe vorgestellt. Das Ziel dieses Kurses besteht darin, das Wissen über die Einschätzung möglicher Sturzrisiken zu erweitern und Maßnahmen aufzuzeigen, um die Gefahr eines Sturzes zu reduzieren und die Folgen eines Sturzes zu minimieren.

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Titelfolie zum E-Learning-Kurs Expertenstandard Sturzprophylaxe

Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege

FAQs

Können Stürze vollständig verhindert werden?

Nein, es ist nicht immer möglich, Stürze zu verhindern. Mit sturzprophylaktischen Maßnahmen können jedoch die Häufigkeit von Stürzen sowie ihre Folgen erheblich verringert werden.

Welche Rolle spielen Pflegefachpersonen bei der Sturzprophylaxe?

Pflegefachpersonen planen, steuern, koordinieren und evaluieren den Pflegeprozess. Sie …

  • können auf der Grundlage ihres Fachwissens das Sturzrisiko einschätzen und auf die Bedürfnisse der Menschen mit Sturzrisiko zugeschnittene Maßnahmen empfehlen.
  • führen geplante Maßnahmen durch, z.B. indem sie Betroffene und Angehörige zur Sturzprophylaxe informieren, schulen und beraten.
  • können Bewegungsabfolgen oder den Umgang mit Hilfsmitteln anleiten.
  • koordinieren die Zusammenarbeit mit Menschen anderer Berufsgruppen.
  • überprüfen die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen und nehmen in Abstimmung mit allen Beteiligten eventuelle Änderungen vor.
  • tragen mit der Informationssammlung nach einem Sturzereignis zur Qualitätssicherung der Pflege bei.
Sollte die Einnahme von Medikamenten zur Sturzprophylaxe überprüft werden?

Ja, Medikamente können das Gleichgewicht beeinträchtigen und Schwindelgefühle hervorrufen. Es ist wichtig, die Einnahme von Medikamenten regelmäßig mit einem Arzt zu besprechen, um mögliche Nebenwirkungen zu erkennen, die das Sturzrisiko erhöhen könnten.

Gibt es Hilfsmittel, die zur Sturzprophylaxe beitragen können?

Ja, Hilfsmittel wie Gehhilfen, Haltegriffe, Niedrigflurbetten oder Klingelmatten können dazu beitragen, eine sicherere Umgebung zu schaffen und das Sturzrisiko zu verringern.

Gibt es spezielle Übungen zur Sturzprophylaxe?

Ja, Übungen mit den Komponenten Kraft, Balance, Ausdauer und Koordination können helfen, das Sturzrisiko zu verringern. Sie sollten dem Menschen mit Sturzrisiko in dessen aktueller Situation entsprechen.

Was kann getan werden, um Stürze zu verhindern?

Pflegende und Betroffene können Maßnahmen ergreifen, wie z. B. körperliches oder motorisches Training, Anpassungen des Wohnumfeldes oder der Medikation, das Tragen gutsitzender Kleidung und Schuhwerk oder die Inanspruchnahme von Hilfsmitteln, wie eine Brille oder ein Rollator.

Was sind häufige Risikofaktoren für Stürze?

Zu den häufigen Risikofaktoren für Stürze gehören eine Sturz- und Frakturvorgeschichte, Sturzangst, Beeinträchtigungen der Mobilität, kognitive Beeinträchtigungen, Polypharmazie und umweltbezogene Risikofaktoren wie Stolperfallen oder Hilfsmittel, die nicht an den Menschen mit Sturzgefahr angepasst sind.

Warum ist Sturzprophylaxe wichtig?

Stürze können zu schweren Verletzungen, eingeschränkter Lebensqualität und erhöhten Kosten im Gesundheitswesen führen. Die Sturzprophylaxe ist für die Erhaltung und Förderung einer sicheren Mobilität und des Wohlbefindens von Menschen mit Sturzrisiko entscheidend.

Was ist Sturzprophylaxe?

Unter Sturzprophylaxe versteht man einen Pflegeprozess, der darauf abzielt, das Risiko von Stürzen und den damit zusammenhängenden Sturzfolgen zu verringern.

Was ist ein Sturz und was ist ein Beinahe-Sturz?

Nach dem Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege ist ein Sturz „ein Ereignis, bei dem Betroffene unbeabsichtigt auf dem Boden oder auf einer anderen, tieferen Ebene aufkommen.“ Hiermit sind auch Situationen gemeint, in deren Folge die Betroffenen auf dem Boden sitzend oder auch hockend aufgefunden werden.
Wenn eine Person stolpert, sich dann aber noch festhalten kann und nicht auf dem Boden oder einer tieferen Ebene aufkommt, handelt es sich um einen Beinahe-Sturz. Auch Beinahe-Stürze sollten immer beachtet und untersucht werden. Sie können Aufschluss über aktuelle Sturzrisikofaktoren liefern.

Eine Übersicht mit Kursen zu Expertenstandards in der Pflege finden Sie in unserer Kursbibliothek.

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